Pflegewissen

Ein Überblick zu den wichtigsten Fragen rund um die Pflege

Überblick

Was ist eigentlich eine Vorsorgevollmacht?

Da in Deutschland jeder volljährige Mensch nur individuell für sich entscheiden darf, ist es sinnvoll
rechtzeitig über eine Vorsorgevollmacht nachzudenken, welche zum Einsatz kommt, wenn man
selbst nicht in der Lage ist Entscheidungen zu treffen, Behördengänge zu erledigen oder
Rechtsgeschäfte zu tätigen. Leider besteht immer noch der Irrglaube, dass nahestehende Personen
wie Ehepartner, Eltern oder Kinder dies im „Fall der Fälle“ für einen erledigen dürfen. NEIN! Das ist
eben genau nicht der Fall. Jeder ist für sich und seine Belange selbst verantwortlich. Also sollte man
sich rechtzeitig Gedanken dazu machen, welcher Person man im Notfall so sehr vertraut, dass diese
Person in seinem Sinne handelt.

Eine Vorsorgevollmacht bedeutet:
„Mit einer Vorsorgevollmacht bevollmächtigt nach deutschem Recht eine Person eine andere
Person, im Falle einer Notsituation alle oder bestimmte Aufgaben für den Vollmachtgeber zu
erledigen. Mit der Vorsorgevollmacht wird der Bevollmächtigte zum Vertreter im Willen, d. h., er
entscheidet an Stelle des Vollmachtgebers.“
Das bedeutet, dass man eine andere Person beauftragen kann, um Entscheidungen und
Rechtsgeschäfte für einen selbst zu tätigen, wenn man selbst verhindert ist oder aus beispielsweise
Krankheitsgründen nicht selbst dazu in der Lage ist. In einer Vorsorgevollmacht legt man genau die
Bereiche fest, für die der Bevollmächtigte im Falle einer Verhinderung des Vollmachtgebers
berechtigt ist Entscheidungen und Rechtsgeschäfte zu tätigen.

Es ist zu empfehlen eine Vertrauensperson zu bevollmächtigen und seine Wünsche und
Vorstellungen mit der Person genau zu besprechen, damit diese Person in seinem Sinne handelt und
nicht überfordert ist. Nicht selten sind Bevollmächtigte mit der Aufgabe überfordert, insbesondere,
wenn eine wirklich schwere Entscheidung hinsichtlich einer Unterbringung oder Versorgung im
Pflegefall zu treffen ist. Je besser man im Vorfeld seine Wünsche kommuniziert, desto besser kann
eine beauftragte Person in seinem Sinne handeln.
TIPP: Sollten Sie eine Vorsorgevollmacht erstellt haben, lassen Sie diese bei der Bundesnotarkammer
in Berlin im Zentralen Vorsorgeregister hinterlegen! (www.vorsorgeregister.de)

Was ist eigentlich eine gesetzliche Betreuung?

Im Falle eines Unfalls oder einer schweren Erkrankung, so dass eine Person nicht mehr selbst für sich
entscheiden kann oder selbst Behördengänge und Rechtsgeschäfte tätigen kann und keine
Vorsorgevollmacht bzw. eine Betreuungsverfügung vorliegt oder diese nicht gefunden wird, wird in
der Regel eine gesetzliche Betreuung beantragt, damit einem ein vom Amtsgericht bestellter
Betreuer an die Seite gestellt wird. Dieser regelt dann die notwendigen Belange, solange man selbst
nicht dazu in der Lage ist.

Die gesetzliche Betreuung und für welche Bereiche man genau Unterstützung oder Übernahme
benötigt, werden von einem Amtsrichter und der Betreuungsbehörde eingehend geprüft und
bestimmt. Niemand in Deutschland wird Mal eben „entmündigt“ oder erhält eine „Vormundschaft“!
Es bedarf immer eindeutiger Gründe und einer umfassenden Prüfung teilweise mit gutachterlichen
Stellungnahmen, bevor eine gesetzliche Betreuung eingerichtet wird.

In der Regel schaut die Betreuungsbehörde/ der zuständige Amtsrichter zunächst im Zentralen
Vorsorgeregister, ob ggf. eine Vorsorgevollmacht bzw. eine Betreuungsverfügung für eine
Vertrauensperson vorliegt. Auch wird zunächst im engeren Verwandtschaftskreis geschaut, ob es
eine oder mehrere Personen gibt, die die gesetzliche Betreuung übernehmen können, bevor ein
Berufsbetreuer oder ein Betreuungsverein als Betreuer bestellt wird. Des Weiteren unterliegt der
gesetzliche Betreuer einer strengen Aufsicht und Kontrolle durch die Betreuungsbehörde.

Zu Vorsorgevollmacht und Betreuungsrecht finden Sie umfassende und weiterführende
Informationen unter folgendem Link: BMI | Start | Betreuungsrecht

Was ist eigentlich eine Patientenverfügung?

In einer Patientenverfügung legt man genau seinen Willen fest, wie man in Notfallsituationen oder
bei schwersten Krankheitssituationen medizinisch und pflegerisch versorgt werden möchte, wenn
man nicht mehr selbst in der Lage ist zu entscheiden oder in Therapien oder Maßnahmen
einzuwilligen bzw. diese abzulehnen. Man legt schriftlich fest, wie man behandelt bzw. nicht
behandelt werden möchte.
Eine Patientenverfügung ist einem Testament gleichzusetzen und sollte so individuell wie möglich
formuliert werden. Je präziser und individueller der eigene Wille für bestimmte Situationen
formuliert wird, desto besser können Ärzte oder nahestehende Personen, ggf. ein
Vorsorgebevollmächtigter oder ein bestellter Betreuer für einen in seinem Sinne entscheiden.

Eine Patientenverfügung ergänzt also eine Vorsorgevollmacht und erleichtert seinen beauftragten
Vertrauenspersonen oftmals schwierige Entscheidungen zu treffen.
TIPP: Erstellen Sie bereits in jungen Jahren eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung und
vor Allem teilen Sie einer Vertrauensperson mit wo diese Dokumente aufbewahrt werden. Für die
Patientenverfügung ist es sinnvoll seinen Willen regelmäßig zu überprüfen und diesen mit Datum
und Unterschrift zu bekräftigen, denn Wünsche und Einstellungen verändern sich Laufe eines Lebens.
Weitere Informationen finden Sie hier:

Patientenverfügung – Grundlagen, Hinweise und Erstellung (www.bundesgesundheitsministerium.de)

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Zum Thema Vorsorgevollmacht, Betreuungsrecht, Patientenverfügung haben wir Kurse in der Angehörigenakademie sowie bei den Pflegeberatern.